Lektion 4: Volk vs. Bevölkerung

In der letzten Vorlesung schrieb ich:

„Unsere ‚westliche Demokratie‘ ist quasi die perverseste Form der Diktatur, da sie das Volk ideologisch aufsplittert und gegeneinander aufhetzt, sodass es sich irgendwann nicht mehr gegen die ‚Parasiten‘ wehren kann.“

Diese Behauptung möchte ich hier ausführlicher erläutern, indem ich mich dem Thema aus soziologischer Perspektive annähere: Weg von den Eliten, hin zur Beschaffenheit des Volkes. Denn wenn sich die Menschen quasi als eine große Familie verstehen, haben es die Herrscher schwerer, ihre Demütigungen abzuziehen. Optimal ist für sie also eine Gesellschaft, die 1) materiell versorgt, 2) in viele Lager gespalten und deswegen 3) überwiegend mit sich selbst beschäftigt ist, sodass das politische Geschehen nebensächlich wird. Will heißen: Der einzelne Bürger ist mit der Politik eventuell nicht einverstanden, aber solange der Kühlschrank voll ist und Fußball läuft, ist eigentlich alles halb so wild. Idealerweise ist die Jugend komplett desinteressiert und abgelenkt, weswegen man ihr jeden Quatsch erzählen kann…

Wer klar denken kann, erkennt, dass dies so in Deutschland der Fall ist, wo man einen echten Zusammenhalt der Menschen mit der Lupe suchen muss. Mal ehrlich, außer bei Fußball-Weltmeisterschaften gibt es keinen kollektiven Patriotismus oder Zusammengehörigkeitsgefühle mehr. Um Deutschland im speziellen soll es aber gar nicht gehen, sondern darum, wie sich dieser überall im Westen abzeichnende Zustand verstehen lässt. Denn langfristig betrachtet, ist eine solche „Nation der Egoisten“ dem Untergang geweiht, was von den Herrschern jedoch absolut so gewollt ist. Das Prinzip, welches hier zur Perfektion gebracht wurde, nennt sich denn auch „Teile und Herrsche“!

In der konservativen Literatur findet man in Bezug auf dieses Thema oft den Gegensatz von ‚Gesellschaft‘ auf der einen und ‚Gemeinschaft‘ auf der anderen Seite. Die ‚Gesellschaft‘ zeichnet sich demnach durch Anonymität und soziale Kälte aus: Prototypisch für sie ist die Großstadt. Hingegen assoziiert man mit dem Begriff ‚Gemeinschaft‘ v.a. sozialen Zusammenhalt, zu finden eher auf dem gediegenen Land. Bezogen auf den großen ‚Staat‘ manifestiert sich diese Differenzierung besonders im Begriffspaar „Volk-Bevölkerung“. Das ‚Volk‘ als große Familie, die ‚Bevölkerung‘ als riesige Ansammlung von anonymen Individuen.

Achtet deswegen mal in Zukunft darauf, wie oft und in welchen Zusammenhängen vom „deutschen Volk“ oder der „deutschen Gemeinschaft“ gesprochen wird. Ich sage nämlich, so gut wie gar nicht mehr… Vielmehr beginnt die unterbewusste Beeinflussung bereits mit den inflationär gebrauchten Wörtern ‚Gesellschaft‘ und ‚Bevölkerung‘, die das Denken subtil auf Individualismus und Egoismus „polen“. Jedoch hört man wenig von einer israelischen, pakistanischen oder japanischen ‚Bevölkerung‘… Hier wird also wieder deutlich, wie die Sprache das Denken und Handeln steuern kann bzw. was für ein Machtfaktor sie tatsächlich ist.

Zurück zum eigentlichen Thema. Wo es früher noch höchstens verschiedene Milieus und soziale Schichten gab, wie z.B. die „Intellektuellen-Szene“, die sich sprachlich und lebensweltlich von anderen Gruppen unterschied, haben sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr verschiedene Lebensstile und Subkulturen ausdifferenziert. Dies erreicht heute seinen Höhepunkt, wenn die Soziologie von einer „netzwerkartig strukturierten Gesellschaft“ spricht, in der sich die Menschen beliebig mal für Dieses, mal für Jenes interessieren. Dies ist dann auch das große Stichwort: Beliebigkeit. Der Großteil der Menschen hat keine echten Werte mehr, sondern frönt nur noch dem Konsum. Wir leben in einer geldgeilen „Spaß-Gesellschaft“, in der nichts muss, aber alles geht.

Wo bis vor 50 Jahren noch „die Nation“ (ein absolut neutraler Begriff) einen außerordentlichen Wert darstellte und die Menschen sich zusammengehörig fühlten, regiert in den Köpfen der Deutschen oder der Amis (v.a. diejenigen unter 30) heute meist nur noch das Geld. Für Kultur und kritisches Hinterfragen bleibt im Alltag logischerweise nur noch wenig Platz. Die Herrscher brauchen dann lediglich fünf Parteien zusammenzubasteln, die sich in ihrer Lügerei und Bürgerferne zwar kaum unterscheiden, aber das schöne Etikett „Demokratie“ rechtfertigen. Dann heißt es ideologisch v.a. „Alt gegen Jung“, „Arm gegen Reich“ oder „Sozial gegen Liberal“, welche nur den Zweck haben, die Menschen zu spalten. Gewürzt mit Tabus und Sprechverboten (Einwanderung, Juden, Nationalstolz, Klimalüge) hat man, besonders in Deutschland, die perfekte (Gesinnungs-)Diktatur.

Das sozio-psychologische Endziel des Ganzen ist schließlich die totale Entfremdung des Individuums von der Familie, damit es maximal orientierungslos durch die Weltgeschichte rennt. Wer sich einmal mit der aktuellen Familienpolitik (geringe Elternzeit, Kitas und Krippen überall) auseinandersetzt, merkt schnell, dass die traditionelle Familie aussterben soll. Die Herrscher wollen sich eine Bevölkerung von triebgesteuerten Konsumenten und Arbeitsnomaden heranzüchten. Ermöglicht wird dieser Prozess erst durch eine Popkultur (Musik, Fernsehen, Hollywood), die für die Jugend fast nur noch mit „modernen“ Rollenbildern (Singletum, Patchworkfamilien, „flexibler Jobber“), künstlichen Idolen und Pornograhpie aufwartet. Die Folgen sind klar: Geistige Einfältigkeit.

Wer da noch glaubt, dass sich diese Generationen gegen Unrecht auflehnen können, der glaubt auch noch daran, dass die „Renten sicher sind“. Gegensteuern muss jeder selbst und sich auf echte Werte zurückbesinnen.

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